So tönt die Corona-Version des Sechseläutenmarschs 

Auftakt in ein spezielles Sechseläuten-Wochenende: Zwei riefen, dreissig spielten, jeder für sich allein und trotzdem alle zusammen.

Ab heute wäre Sechseläuten in Zürich. Auf dem Lindenhof wäre Fest, fröhlich und zünftig. Wir sind sicher: Der Gastkanton Uri hätte dem urbanen Zürich vieles geboten. Am Abend dann fänden Bälle statt. Und immer wieder würde man den Sechseläutenmarsch hören. Oben auf dem Lindenhof. Unten in den Gassen. Drinnen in den Zunfthäusern. Alles abgesagt. Fast alles. Denn manche lassen sich das Sechseläuten nicht einfach so nehmen. Sie bastelten, backten, nähten Bööggen – viele nach dem Bastelbogen, den Klaudia Meisterhans für den Tagi entworfen hat. Andere spielten den Sechseläutenmarsch – der einem gefallen mag oder nicht. Er gehört einfach zum Sechseläuten.

Ganz besonders für den Zürcher Frühlingsbrauch ins Zeug legten sich einige Mitglieder der Stadtmusik Zürich (SMZ). Den Anfang machten zwei: Dirigent Niki Wüthrich und Katinka Kocher (Tenor-Saxofon). Sie lasen unseren Aufruf, das Sechseläuten halt notgedrungen anders zu feiern. Treu dem Motto der SMZ: «Musik für Züri». Sie schrieben erst ihre Kolleginnen und Kollegen der SMZ an, dann erweiterten sie den Kreis noch. Sie fanden grosses Echo. Und so ist die Corona-Edition des Sechseläutenmarschs entstanden, an der übrigens auch Profimusiker aus dem Tonhalle-Orchester und aus dem St. Galler Symphonie-Orchester teilnehmen. Herzlich willkommen, St. Gallen, am anderen Sechseläuten!Doch wie spielt eine Blasmusik zusammen, ohne zusammen zu sein? Ein Musiker der SMZ erstellte ein Midi-File des Marschs – also eine Art digitalisierte Tonaufnahme. Dieses und die Noten wurden allen Musikerinnen und Musikern gemailt. Diese hatten via Kopfhörer diese Aufnahme im Ohr, spielten dazu und filmten sich dabei.

Die Videos wurden dann synchron kombiniert – in der Mitte natürlich der Dirigent Niki Wüthrich, der ganz allein auf seiner Terrasse ein Orchester dirigierte, das er nicht sah – in Gedanken und gewiss auch im Ohr aber um sich versammelt hatte.

Das war der erste und wohl auch der letzte Auftritt der «United Stay@Home Blasmusig». Und Hand aufs Herz: Kann der Sechseläutenmarsch schöner sein? Mag sein, aber kaum je überraschender und witziger.

 

©Tages-Anzeiger/Hélène Arnet

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